DO-042019online

GENERATION 50plus 6 D eutschland ist ein Mieterland – nur 45,5 Prozent aller Haushalte besitzen eine eigene Immobilie. Das ist die niedrigste Quote in der EU. Der Unterschied zu anderen Staaten ist teils gravierend: Die Eigentums- quote in Belgien und Spanien beträgt jeweils mehr als 70 Prozent. Dabei sind die Voraussetzungen für einen Immobilienkauf in Deutsch- land trotz der gestiegenen Kaufprei- se derzeit günstig. Denn dank der niedrigen Zinsen können Käufer mehr Geld für die Tilgung eines Kredits verwenden. Wohneigentumsquote stagniert Dies schlägt sich allerdings nicht in der Wohneigentumsquote nieder, sie stagniert bereits seit 2011. Und eine wesentliche Änderung ist nicht in Sicht. Denn der Zugang zu Wohn- eigentum ist trotz günstigerer Fi- nanzierungsbedingungen restriktiver geworden. Zu diesem Schluss kommt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW), das in einem Gutachten die Einflussfaktoren auf die Wohneigen- tumsbildung in Deutschland unter- sucht hat. Der Studie zufolge führen mehrere Trends dazu, dass die Wohneigen- tumsquote nicht weiter steigt: Der Zuzug in die Ballungsräume wirkt sich negativ aus. Während in Klein- städten die Mehrzahl der Einwohner in den eigenen vier Wänden lebt, be- sitzt in der Großstadt nur jeder dritte Haushalt Eigentum. Die Wahrscheinlichkeit, Wohneigen- tum zu erwerben, liegt bei Kindern, deren Eltern eine Immobilie besitzen, rund 42 Prozent über der von Kin- dern, deren Eltern zur Miete wohnen. Darüber hinaus gibt es hierzulande immer mehr Singlehaushalte. Für sie ist es schwieriger, Eigentum zu er- werben, als für Paarhaushalte. Denn diese verfügen normalerweise über ein höheres Haushaltseinkommen und können sich Fixkosten wie Miete, Strom und Autoversicherung teilen, sprich: Sie können sich eher etwas für den Hauskauf zur Seite legen – das zeigt sich auch in der Statistik (Grafik 1). Ein weiterer Grund dafür, dass die Wohneigentumsquote nicht steigt, ist die Akademisierung. Hochschulabsol- venten starten vergleichsweise spät ins Berufsleben. Und da der Erwerb einer Immobilie in der Regel min- destens 10 Prozent der Kaufsumme als Eigenkapital voraussetzt, haben Akademiker meist erst in höherem Alter das nötige Geld für einen Kauf angespart. Dadurch verschiebt sich der erste Haus- oder Wohnungskauf zunehmend nach hinten. Das spie- gelt sich auch in der Entwicklung der Eigentümerquote unter jungen Haus- halten wider (Grafik 2). Dass dieser Befund vor allem an den Akademikern liegt, unterstreicht de- ren Eigentumsquote in Abhängigkeit vom Lebensalter: In jungen Jahren haben sie einen klaren Nachteil gegenüber Personen, die direkt nach der Schule ins Berufsleben starten. Dieser Effekt kehrt sich allerdings bis zum 40. Lebensjahr um: Während ein 35-jähriger Akademiker eine leicht niedrigere Wahrscheinlichkeit hat, eine Immobilie zu besitzen, als ein Gleichaltriger mit mittlerem Bil- dungsabschluss, ist die Wahrschein- lichkeit für einen 40-jährigen Akade- miker bereits um 34 Prozent höher. Auch mit Blick auf die verschiede- nen Einkommensgruppen zeigen sich unterschiedliche Trends: Die Wohneigentumsquote des ein- kommensstärksten Fünftels der Be- völkerung ist seit dem Jahr 1999 von 54 auf 63 Prozent gestiegen, wäh- rend jene des einkommensschwächs- Wenig Wohneigentum trotz billigem Geld Trotz günstiger Zinsen verharrt die Eigenheimquote in Deutschland bei unter 50 Prozent. Das wird wohl so bleiben – dafür sprechen die wachsende Zahl von Singlehaushalten, die Urbanisierung und der im Durchschnitt spätere Eintritt ins Berufsleben. Zudem be- einflusst die Wohnsituation der Eltern die des Nachwuchses erheb- lich – hier ist die Politik gefragt, für mehr Chancengleichheit zu sorgen. ©Wolfilser .adobe.com

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